Zu teuer, zu aufwendig, zu kompliziert: Viele Bürger schieben das Thema Altersvorsorge vor sich her. Dabei bringt eine regelmäßige Überprüfung Klarheit – und häufig Tausende Euro extra

Zwei Arten von Kunden begegnen Finanzberatern immer wieder: Die einen kommen mit leeren Händen, die anderen mit vollen Ordnern. Beiden steht die Verwirrung ins Gesicht geschrieben: Welche Produkte brauche ich für die Altersvorsorge? So rätseln die Jüngeren. Passen unsere Verträge noch zur Lebensplanung? Das fragen sich die etwas Älteren.

„Viele Leute haben verstanden, dass sie etwas tun müssen, wenn sie im Alter ihren Lebensstandard halten wollen“, sagt Louisa Peggau, Produkt­managerin für Altersvorsorge bei Swiss Life Deutschland, „und das ist grundsätzlich eine positive Entwicklung.“ Wie groß die erforderliche Summe sein sollte und mit welchen Finanzprodukten sie sich erwirtschaften ließe, sei ihnen allerdings oft nicht bewusst. So hat das Kölner Marktforschungsinstitut Rheingold festgestellt, dass ein Viertel der deutschen Paare sein Geld bestenfalls auf mager ver­zinsten Tagesgeldkonten hortet. Berücksichtigt man die Inflation, wird hier Geld vernichtet. Knapp 20 Prozent der Befragten streuten ihr Vermögen zwar über mehrere Anlageformen (was prinzipiell sinnvoll ist), wechselten jedoch oft unstet hin und her (was Kosten produziert und die Erträge nachhaltig drückt).

Andere wiederum, so Peggaus Erfahrung, entschieden sich einmal für ein Produkt, schauten sich die Verträge dann jedoch für lange Zeit nicht mehr an. Diese Planlosigkeit stellt für die Finanz­expertin das größte Problem bei der effektiven Altersvorsorge dar: „Das kann gefährlich große Lücken produzieren.“ So wie bei Stefan K. Der 35-Jährige hat 2011 eine Lebensversicherung abgeschlossen. Er weiß, dass die gesetzliche Rente bis zu seinem Ruhestand nur magere 44 Prozent seines letzten Netto­gehalts abdecken wird – Tendenz fallend. Die private Police würde später inklusive Überschüssen einmal 106.000 Euro abwerfen, hieß es damals.

Der Fluch der Minizinsen
Mittlerweile veranschlagt die Versicherungsgesellschaft die voraussichtliche Auszahlsumme auf nur noch 77.000 Euro. Grund hierfür sind vor allem die Niedrigzinsen, die seit Jahren die Erträge der Versicherer empfindlich schmä­­­lern. Bei Stefan K. klafft also eine Lücke von rund 30.000 Euro in der privaten Altersvorsorge – sofern er nichts dagegen unternimmt.

Der Fall zeigt: Ein Finanzprodukt zu kaufen und 30 Jahre unbeobachtet liegenzulassen, ist riskant. Wer sich zum Beispiel allein auf eine klassische Lebens- oder Rentenversicherung verlässt, bekommt nach 30 Jahren Sparphase bei 100 Euro monatlicher Einzahlung derzeit fast ein Drittel weniger heraus als ursprünglich veranschlagt.

Nun sollte man solche Verträge aus diesem Grund nicht voreilig kündigen. Ein Garantiezins (im Versicherungsjargon: Höchstrechnungszins) von bis zu vier Prozent ist aus heutiger Sicht höchst attraktiv. Policen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, sind zudem steuerlich begünstigt. Um auf die einst prognostizierte Auszahlungssumme zu kommen, muss man jedoch zusätzlich Geld zurücklegen. Wie hoch die Summe sein sollte und welche Verträge sich eignen, um die Lücke zu schließen, lässt sich am besten im Gespräch mit einem Berater erörtern.

Die Experten kennen die Gründe, warum sich viele Menschen vor der Auseinandersetzung mit ihrer Altersvorsorge drücken: Die Zahl an Finanzprodukten ist schier unüberschaubar, Kosten und Renditen sind für Laien kaum vergleichbar. „Junge Menschen überschätzen zudem oft, wie viel Geld sie sparen müssen, um einen bestimmten Betrag zu erwirtschaften“, sagt Peggau. Bei einem Finanzcheck stellt sich schnell heraus, dass 200 Euro monatlich reichen, um bei einer angenommenen jährlichen Rendite von sechs Prozent mit 67 Jahren (nach Abzug der Versicherungskosten) eine Zusatzrente von 900 Euro zu erhalten. Wenn man als 30-Jähriger beginnt. Wer erst mit 40 startet, braucht 350 Euro, und mit 45 Jahren sind schon 500 Euro im Monat nötig. Ein echtes Argument für den Frühstart also.

Zudem gilt: Durchhalten! „Altersvorsorge sollte man als Langfristprojekt betrachten“, so Peggau. Und im Auge behalten, dass sich die Lebensumstände immer wieder ändern: Mit 30 sorgen noch viele für sich allein vor, mit 40 oftmals schon für Partner und Kinder. Später reduzieren womöglich Hauskredite oder Trennungskosten das verfügbare Einkommen und damit die Möglichkeit, regelmäßig Geld zurückzulegen.

Dass die Vorsorgestrategie, für die man sich in jungen Jahren entschieden hat, da oft nicht mehr passt, liegt auf der Hand. Eine regelmäßige Überprüfung mit einem Profi stellt sicher, dass Ziele und finanzielle Möglichkeiten immer wieder miteinander in Einklang gebracht werden.

So gibt’s die volle Förderung

Viele Sparer verschenken bares Geld, weil sie es versäumen, die staatlichen Zulagen abzurufen, die ihnen zustehen – oder weil sie die jährlichen Sparbeträge nicht genügend aufstocken. Bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV) gilt: Maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze können vor Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen eingezahlt werden, das sind zurzeit 254 Euro monatlich oder 3048 Euro im Jahr – also rund 70 Euro mehr als 2016. Weitere 1800 Euro kann man zusätzlich steuerfrei drauflegen.

Bei Riesterverträgen muss der Sparer vier Prozent seines Vorjahresbruttos in den Vertrag stecken, um die Gesamtzulage einzustreichen, bei einem Gehalt von 50.000 Euro also 2000 Euro. Hiervon abzuziehen sind zurzeit 154 Euro für den Riester-Berechtigten, 185 Euro für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, und 300 Euro für jedes jüngere Kind. Ein Riestersparer mit zwei kleinen Kindern muss also 1246 Euro selbst aufbringen, der Staat stockt auf 2000 Euro auf. Wichtig: Bei Gehaltssprüngen sollte man den eigenen Beitrag erhöhen, um in den Genuss der vollen Förderung zu kommen.

Bei Rürupverträgen (Basisrente) lassen sich in diesem Jahr 84 Prozent der Beiträge steuerlich absetzen. Je höher die Einzahlung, desto höher die Steuerersparnis. Die Obergrenze liegt zurzeit bei 23.362 Euro für Alleinstehende und 46.724 Euro für Verheiratete, wenn diese zusammen veranlagt werden.

Drei-Punkte-Plan fürs Alter
Vor allem drei Punkte sollten spätestens alle paar Jahre betrachtet werden: Erstens: Wie hoch wird die gesetzliche Rente nach jetzigem Stand ausfallen? Und wie viel fehlt später, um auf zwei Drittel des jetzigen Nettogehalts zu kommen? So hoch sollten die Einkünfte mindestens sein, sagen Ruhestands­berater. Zweitens: Kann ich zusätzlich Module wie die betriebliche Altersversorgung (bAV) nutzen? Die Mehrheit der Arbeitgeber bietet ihren Beschäftigten Pensions­lösungen an, die steuerlich gefördert werden. Die Beiträge schmälern zwar das Bruttogehalt, schonen aber das Nettoeinkommen.

Allerdings schöpfen nur fünf Prozent aller Mitarbeiter die Entgelt­umwandlung vollständig aus. Die meisten nutzen sie gar nicht oder sparen zu wenig. Oft auch, weil sie vergessen, den Sparbeitrag bei Gehaltserhöhungen aufzustocken. Hier gilt: Nachlegen (siehe Kasten oben)!

Und drittens: Wie steht es ums private Sparen? Für regelmäßige Rücklagen eignen sich die flexible Privatvorsorge sowie die staatlich geförderte Riestervorsorge. Letztere nutzen längst nicht alle Berechtigten, obwohl sie bares Geld in Form von Zulagen einstreichen könnten. Allein die Zulagen und Steuervorteile sorgen in der Sparphase für ansehnliche Renditen.

Garantien kosten Rendite
Auch Rentenpolicen kommen für Vorsorger nach wie vor infrage. Sie bieten eine verlässliche Auszahlung und disziplinieren durch fixe Raten, das eigene Vorsorgeziel nicht aus dem Auge zu verlieren. Auf Zinsversprechen sollte man allerdings möglichst verzichten, empfiehlt Louisa Peggau: „Garantien kosten den Versicherten viel Rendite.“ Policen, bei denen der Großteil der monatlichen Prämie in Investmentfonds angelegt wird, bieten auf lange Sicht höhere und nachhaltigere Erträge als klassische Verträge. „Das verbessert die Chancen, die persönlichen Finanzziele im Alter zu erreichen“, so Peggau.

Stefan K. hat folgenden Plan aufgestellt: Den Altvertrag zu erhöhen, scheidet als Option aus, da der Versicherer nicht die alten Rechnungsgrundlagen garantiert, sondern nur die aktuellen, deutlich weniger attraktiven. Da K.s Gehalt gestiegen ist und er mittlerweile Frau und Kinder hat, wird er mit 50 Euro monatlich „riestern“, um die vollen Zulagen auszuschöpfen. Und den Termin für den nächsten Finanz-Check-up in einem Jahr hat er sich bereits in den Kalender eingetragen.

Von Melanie Kegel


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