Einen Lebensabend ohne Geldsorgen wünscht sich jeder. Statt für die ALTERSVORSORGE teure Garantien abzuschließen, sollten Sparer jedoch die Zeit für sich arbeiten lassen und Chancen am Kapitalmarkt nutzen – das gilt auch für Rentner

Es kommt selten vor, dass man den Eindruck gewinnt, ein Gesetz passe genau in die Zeit. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz ist eine dieser Ausnahmen gelungen. Die neuen Bestimmungen zur betrieblichen Altersversorgung (bAV), die im Juli den Bundesrat passierten und zum Jahreswechsel in Kraft treten, bedeuten zwar keine Revolution. Im Kleinen könnten sie dennoch zum großen Wurf werden: Erstmals erlaubt der Gesetzgeber Betriebsrenten ohne garantierte Mindestleistungen.

Moment! Der Verzicht auf eine Garantie soll Fortschritt bringen? Wie kann das sein?

Um das zu verstehen, gilt es zunächst, Art und Umfang der Garantien näher zu betrachten: Bislang musste allein der Arbeitgeber für die Betriebsrente seiner Angestellten geradestehen. Selbst wenn in der Praxis meist Versicherungen im Auftrag der Firma das Geld der Mitarbeiter verwahrten und vermehrten, war im Zweifel stets der Chef haftbar. Diese Garantie verhindert nach Ansicht des Bundesarbeitsministeriums eine weitere Verbreitung der betrieblichen Vorsorge. Zuletzt stieg der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die eine Betriebsrente erwarten können, nur noch geringfügig. Dies soll sich nun ändern: Einigen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften im Tarifvertrag auf das neue Modell, können sie sogenannte Zielrenten vereinbaren. Die werden angestrebt, ihre Höhe ist aber nicht garantiert. Dafür bieten sie langfristig bessere Renditechancen.

Die Gesetzesnovelle bringt noch einige weitere Neuerungen: Wandeln Angestellte Gehalt in eine Betriebsrente um, müssen Arbeitgeber 15 Prozent dazugeben. Außerdem erhalten Chefs vom kommenden Jahr an 30 Prozent Zuschuss vom Staat, wenn sie Mitarbeitern mit einem Monatseinkommen von höchstens 2200 Euro jährlich 240 bis 480 Euro Zulage zur Betriebsrente gewähren. Ein weiteres Plus für Geringverdiener: bAV-Leistungen werden nicht mehr vollständig mit der Grundsicherung im Alter verrechnet. Eine Garantie, wie sie bislang üblich war, klingt zwar vorteilhaft, erweist sich zurzeit jedoch als eine der größten Gefahren für Sparer. „Sichere Erträge gleichen in dieser Ära der Niedrigzinsen nicht einmal die jährliche Geldentwertung aus“, sagt Klaus Tönnishoff, Spezialist für betriebliche Altersversorgung bei Swiss Life Deutschland. „Wer Renditechancen nutzen will, sollte sich Verträge mit abgesenkten Garantien oder Zielrenten anschauen.“

Moderne Rentenpolicen senken das Garantieniveau ab, damit mehr Geld in renditestarke Aktienanlagen investiert werden kann

Weniger versprechen, mehr leisten

Rafael Krönung, Versicherungsmathematiker beim Beratungsunternehmen Aon Hewitt, hält die Kosten von Garantien mittlerweile für viel zu hoch: „Wenn anstelle einer garantierten Rente von 200 Euro eine nicht garantierte Rente von 400 Euro möglich ist, werden Arbeitnehmer ins Grübeln geraten, ob ihnen die zusätzliche Sicherheit wirklich 200 Euro wert ist.“ Unterschiede in dieser Größenordnung hält er für durchaus realistisch, wenn Versicherer nicht mehr extrem vorsichtig kalkulieren müssen, sondern „auf Basis vernünftiger langfristiger Erwartungen“ rechnen können.

Garantierte Renten sind also mit großer Sicherheit deutlich niedriger als Renten, die mithilfe des Kapitalmarkts erzielt werden. Das gilt nicht nur für die bAV, sondern auch für jede private Rentenversicherung. Wer eine attraktive Zusatzversorgung im Alter anstrebt, kommt nicht umhin, sich mit Produkten zu befassen, die weniger versprechen und – voraussichtlich – mehr leisten.

Eine Studie der Finanzwissenschaftler Olaf Stotz und Maximilian Renz von der Frankfurt School of Finance & Management aus dem Frühjahr 2017 zeigt, wie teuer es für Sparer inzwischen ist, auf den unbedingten Erhalt der Beiträge zu pochen, die sie in eine Rentenpolice einzahlen. Dazu simulierten die Forscher den langfristigen Ertrag am Beispiel einer 25-jährigen Anlegerin, die bis zu ihrem Renteneintritt mit 67 Jahren jeden Monat 50 Euro zurücklegt, in 42 Jahren also 25.200 Euro einzahlt. Bei der Anlage in eine Versicherung mit 100-Prozent-Schutz ihrer Beiträge konnte sie Ende des Jahres 2016 mit rund 80.000 Euro Endvermögen rechnen. Eine Anlegerin, die das Geld stattdessen vollständig in Aktien investiert hätte, wäre im Schnitt mit etwa 240.000 Euro in Rente gegangen, also der dreifachen Summe.

Der Grund: Damit die Beiträge garantiert werden können, fließt der größte Teil des Geldes in sichere Anlagen wie Staatsanleihen. Damit lassen sich allerdings inzwischen so gut wie keine Erträge mehr erwirtschaften. „Ein Verzicht auf die Garantie könnte das Altersvorsorgevermögen deutlich schneller wachsen lassen, ohne dabei das Risiko signifikant zu erhöhen“, sagt Stotz.

Über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten ist das Risiko, mit Aktienanlagen Geld zu verlieren, nämlich extrem gering: Aus Sicht der 25-Jährigen im Beispiel liegt es bei gerade einmal 0,5 Prozent. Diese Wahrscheinlichkeit hat sich in den vergangenen Jahren so gut wie nicht verändert. Demgegenüber ist der durchschnittliche Gewinn, der Garantiesparern entgeht, massiv gestiegen. Um den Nutzen der zusätzlichen Sicherheit einzuschätzen, kommt es auf dieses Preis-LeistungsVerhältnis an – und das hat sich in den vergangenen 15 Jahren wegen der stark gesunkenen Zinsen maßgeblich zulasten der Garantieprodukte entwickelt.

Es ist daher kein Wunder, dass auch Rentenversicherer inzwischen mehr und mehr Policen mit teilweise auf null reduzierten Beitragsgarantien verkaufen. In der betrieblichen Altersvorsorge sind Produkte auf dem Vormarsch, die maximal 80 Prozent der eingezahlten Beiträge garantieren, in der Basisvorsorge und der flexiblen Altersvorsorge setzen Gesellschaften auf Fondsrenten, die sogar ganz darauf verzichten, Sparern vorab zu versichern, was am Ende herauskommt.

Auch nach Rentenbeginn sollte das Kapital zumindest teilweise investiert bleiben, sodass es sich weiter mehren kann

Vermehren statt verwahren

Was in der Ansparphase einer Rentenversicherung gilt, trifft auch für die Auszahlungsphase zu: Mehr Risikobereitschaft zahlt sich aus. Die Policen bieten vom Eintritt ins Rentenalter an ein Leben lang eine feste monatliche Zahlung – und schützen davor, dass einem irgendwann das Geld ausgeht. „Das ist die wichtigste Garantie einer Rentenversicherung: Sie sichert die Lang­lebigkeit ab“, sagt Thorsten Dasbach, Vorsorgespezialist bei Swiss Life Deutschland.

Auch Rentner sollten freilich nicht das Sparen lassen. Heute 67-Jährige werden im Schnitt noch rund 21 Jahre leben. „Da ist es überaus sinnvoll, das, was man in den Jahrzehnten zuvor in die Versicherung eingezahlt hat, nicht nur zu verwahren, sondern zu vermehren“, sagt Dasbach. Versicherer waren hier in der Vergangenheit nicht sonderlich kreativ. Bei den verbreiteten Klassik-Verträgen fließt das angesparte Kapital zum Rentenbeginn in den sogenannten Deckungsstock – und damit fast vollständig in festverzinsliche Wertpapiere. Die aus dieser Anlage resultierenden Überschüsse werden dem Vertrag zwar gutgeschrieben, sind aber ziemlich mau: Der sogenannte Rentenfaktor, also die ­Monatsrente, die Sparer pro 10.000 Euro angespartem Kapital garantiert erhalten können, liegt bei guten Verträgen heute nur noch bei etwa 25 Euro. Das entspricht gerade einmal drei Prozent Rendite im Jahr und reicht kaum aus, die langjährige Inflation auszugleichen.

Wer sich für geringere Garantien entscheidet, kann gut und gern doppelt so viel erwarten. Und das nicht nur bis zum Rentenbeginn, sondern auch danach. Der Trick heißt hier ebenfalls: Verzicht auf allzu hohe Garantien. Auf dem Markt sind inzwischen mehrere Modelle verfügbar. Rentner, die nicht das Risiko eingehen wollen, dass ihre Bezüge irgendwann doch einmal zurückgehen, kommen mit modernen Verträgen, bei denen das Geld weiter investiert wird, statt bloß im Deckungsstock zu verharren, auf etwa 3,8 Prozent Rendite pro Jahr. Wer sich mit der Zusage zufriedengibt, dass die Rente in den ersten drei Jahren auf keinen Fall sinkt, kann mit 4,5 Prozent Verrentungsrendite rechnen. Und alle, die die garantierte Rentenhöhe schon nach zwölf Monaten freigeben, um stärker vom Kapitalmarkt zu profitieren, kommen im besten Falle an sechs Prozent Rendite heran. So ist beispielsweise der neue Tarif Swiss Life Maximo kalkuliert, bei dem das Altersvorsorgevermögen in der Rentenbezugsphase in Fonds investiert bleibt.

Keiner der Versicherten muss sich sorgen, im Alter ohne Geld dazustehen: Erstens leisten auch die modernen Policen gewisse Garantierenten. Und zweitens sorgen Sicherungsmechanismen dafür, dass bei einer guten Wertentwicklung an den Kapitalmärkten nicht nur die Rente wächst, die sie aktuell an ihre Rentner auszahlen, sondern auch die Mindestrente steigt. Das ist viel mehr wert als eine Garantie auf wenig.

von Olaf Wittrock

Rentencheck

Wie viel Geld benötige ich im Alter?
Das hängt von der individuellen Lebenssituation ab. Wer etwa mietfrei im Eigenheim wohnt, braucht weniger, wer pflegebedürftig wird und dagegen nicht versichert ist, deutlich mehr. Eine Faustregel lautet: 80 Prozent des letzten Nettogehalts sollten auch im Alter nach Steuern zur Verfügung stehen, damit keine Abstriche im Alltag gemacht werden müssen. Die gesetzliche Rente bringt jedoch weniger als 70 Prozent – vor Steuern und Sozialabgaben. Um die Lücke zu schließen, sollte man, so die zweite Faustregel, sein ganzes Erwerbsleben lang insgesamt ein Fünftel des verfügbaren Einkommens zurücklegen. Wer keine Ansprüche auf eine gesetzliche Rente hat, muss mehr sparen.

Wie lange reicht die Rente?
Wer mit 100.000 Euro privatem Startkapital in Rente geht, kann theoretisch 30 Jahre lang jeden Monat 418 Euro davon ausgeben, wenn er das Geld mit 3 Prozent Rendite am Kapitalmarkt anlegt. Danach ist das Kapital aufgezehrt. Soll der Kapitalstock stattdessen erhalten bleiben, sodass auf dem Sterbebett noch 100.000 Euro übrig sind, lassen sich immerhin 246 Euro entnehmen. Das entspricht dann in etwa dem Betrag, den heute auch eine klassische Rentenpolice zahlt.

Wie wirkt sich die Inflation aus?
Die schleichende Geldentwertung sorgt dafür, dass alles von Jahr zu Jahr teurer wird. Über 30 Jahre verliert eine gleichbleibende Rente an Kaufkraft. Bei 2 Prozent Inflation pro Jahr bräuchte man in 20 Jahren schon die anderthalbfache Rente, um denselben Warenkorb zu kaufen. In 35 Jahren wäre sogar die doppelte Summe nötig. Das funktioniert nur mit einem höheren Kapitalstock oder einer Rendite von weit über 3 Prozent.

Wer selbst rechnen will:
Das Deutsche Institut für Altersvorsoge (DIA) bietet auf seiner Website mehrere kostenlose Rentenrechner an: sparplan.dia-vorsorge.de 

 


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