Der erste Arbeitsvertrag ist unter­schrieben, die Wohnung in der neuen Stadt angemietet – doch was ist mit den Privatfinanzen? Womit sich junge Berufsstarter jetzt befassen sollten

Wenn das erste Gehalt auf dem Konto eingegangen ist, denken viele Berufseinsteiger vor allem an Urlaub oder Autokauf. Doch jetzt sollten sie auch die eigene Absicherung in Angriff nehmen. Während junge Menschen in der Schulzeit und im Studium in vielen Fällen noch über die Eltern mitversichert sind, müssen sie sich nun selbst um ihren Schutz kümmern. Ein Überblick über die wichtigsten Produkte:

KRANKENVERSICHERUNG Spätestens mit dem ersten Gehalt müssen Jobstarter eigenständig versichert sein. Sie können zwischen den Angeboten von mehr als 100 gesetzlichen Krankenkassen wählen. „Die Angebote zu vergleichen lohnt sich“, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wichtiges Kriterium ist die Höhe des Zusatzbei­trags: Neben dem gesetzlichen Beitragssatz von 14,6 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens erheben die Versicherer einen Aufschlag zwischen 0,3 und 1,8 Prozent. Selbst wenn eine private Krankenvollversicherung für viele Berufseinsteiger noch keine Option ist (das Mindesteinkommen bei Angestellten liegt bei 56.700 Euro), können sie weitere Leistungen privat dazubuchen, etwa über eine Zahn- oder eine Krankenhauszusatzversicherung. Zusätzlich lohnt sich eine Auslandskrankenversicherung, die beispielsweise die Kosten übernimmt, wenn der Reisende wegen eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung ausgeflogen werden muss. Singles zahlen für eine Jahresversicherung ab 5 Euro, Familien ab 15 Euro.

HAFTPFLICHT „Jeder sollte eine private Haftpflichtversicherung haben“, sagt Verbraucherschützer Opfermann. Sie zahlt, wenn man ohne Absicht bei Dritten einen Schaden verursacht. Das kann schnell teuer werden: Übersieht zum Beispiel ein Radfahrer einen Fußgänger und verletzt ihn, laufen schnell Behandlungskosten von mehreren Tausend Euro auf.
Während der ersten Ausbildung sind Kinder über ihre Eltern versichert, manchmal gelten allerdings besondere Altersgrenzen. Danach sind junge Menschen auf sich selbst gestellt.

KRAFTFAHRZEUG Mit dem Berufsstart lässt das erste eigene Auto oft nicht lange auf sich warten. Für das eigene Fahrzeug benötigt man in jedem Fall eine Kfz-Haftpflichtpolice. Versichert sind Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die in der Regel vom Fahrer verursacht werden. Teil- beziehungsweise Vollkaskopolicen decken Schäden am eigenen Fahrzeug.

BERUFSUNFÄHIGKEIT Experten, etwa von der Stiftung Warentest, raten Jobstartern dringend, eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abzuschließen. Sie sichert die Arbeitskraft ab, sodass man auch nach einem Unfall oder bei einer schweren Krankheit für den eigenen Lebensunterhalt sorgen kann. Der Staat zahlt zwar eine Erwerbsminderungsrente, doch die fällt sehr gering aus. Und Anspruch darauf hat nur, wer mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hat. Je früher die BU-Police abgeschlossen wird, desto niedriger sind die Beiträge. Die Prämien unterscheiden sich je nach Leistung und Versicherungslaufzeit. Wer monatlich 1000 Euro Rente anstrebt, die bis zum Alter von 65 Jahren gezahlt werden soll, muss laut Verbraucherzentrale mit Kosten zwischen 30 und 50 Euro pro Monat rechnen. Als Alternativen eignen sich oft ­Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- oder Dread-Disease-­Policen. Auch eine gute Unfallversicherung schützt den Berufsstarter vor unerwarteten Kosten.

HAUSRAT Eine Hausratversicherung deckt Schäden an Wohnung und Inventar ab, die zum Beispiel durch Einbruch, Feuer oder Wasser verursacht wurden. Studenten und Auszubildende sind meist über ihre Eltern abgesichert. Für Berufseinsteiger kann sich eine Hausratpolice lohnen, wenn sie zum Beispiel ein teures Fahrrad mitversichern möchten, ist das über eine Zusatzoption möglich. Bei kleinen Wohnungen kostet die Police rund 50 Euro im Jahr. Die Prämie hängt ab von Wohnfläche, Wohnort und Schadensarten, die mitversichert werden sollen.

VERMÖGENSWIRKSAME LEISTUNG Beim Jobantritt lohnt sich die Nachfrage beim Arbeitgeber, ob dieser vermögenswirksame Leistungen anbietet. Dabei gibt der Chef Geld zum Vermögensaufbau dazu, und zwar aktuell bis zu 40 Euro pro Monat. Je nach Anlageform zahlt der Staat zusätzlich Sparzulagen. Gefördert werden unter anderem Bausparverträge, Bank- und Fondssparpläne.

ALTERSVORSORGE Kaum ein Berufseinsteiger setzt sich gern mit seiner Altersvorsorge auseinander. Doch auch hier sind die Bedingungen am besten, wenn möglichst früh ein Vertrag abgeschlossen wird. Für viele attraktiv ist die staatlich geförderte Riesterrente: Als Zulage locken zurzeit pro Jahr wenigstens 154 Euro, wenn ein Mindestbetrag eingezahlt wird. Bis zum 25. Lebensjahr wird aktuell zusätzlich ein Berufseinsteigerbonus von 200 Euro gewährt.

 


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