Mein Bausparvertrag ist zuteilungsreif. Welche Optionen habe ich nun?

 

Marcus Brüninghaus, 46, ist seit 14 Jahren als selbstständiger Finanzberater für HORBACH tätig und Spezialist für Immobilienfinanzierung. Er hat vor zwei Jahren einen Bausparvertrag abgeschlossen. Die Bausparsumme will der Experte später in die Modernisierung seiner erst kürzlich erworbenen Immobilie investieren

In Deutschland laufen derzeit rund 30 Millionen Bausparverträge. Für viele Verbraucher sind sie ein wichtiger Baustein zur Finanzierung des Eigenheims. Die Idee dahinter: Man spart zunächst über mehrere Jahre eine bestimmte Summe und erhält dafür Zinsen, die allerdings unter den marktüblichen Konditionen liegen. Im Gegenzug sichert die Bausparkasse ein günstiges Darlehen nach der Ansparphase zu. Das Angebot gilt, auch wenn die Zinsen in der Zwischenzeit gestiegen sind.

Nun ist aber Baugeld nicht teurer, sondern billiger geworden. Folglich fragen sich viele Bausparer mit alten Kontrakten: Was mache ich mit meinem zuteilungsreifen Vertrag?

Es kommt auf Ihre Pläne an. Grundsätzlich stehen vier Optionen offen: Wer eine Immobilie bauen oder kaufen will, kann sich das angesparte Vermögen plus Darlehen auszahlen lassen. Doch sollten Sie vorher die einst vereinbarten Konditionen mit denen für herkömmliche Immobilienkredite vergleichen. Gut möglich, dass Banken und Sparkassen deutlich günstigere Angebote unterbreiten. Bei einem sieben Jahre alten Bausparvertrag liegen die Darlehenszinsen bei etwa vier Prozent. Heute sind Zinssätze – je nach Bonität – von unter zwei Prozent üblich.

Vielleicht möchten Sie sich erst in ein paar Jahren ein Eigenheim zulegen. Dann sollten Sie sich das Guthaben auszahlen und in einen neuen Bausparvertrag einfließen lassen. So sichern Sie sich die aktuell niedrigen Zinsen für später. Einige Bausparkassen bieten derzeit Zinssätze von 1,25 Prozent an.

Sie können den Vertrag aber auch weiter besparen und später entscheiden, wie Sie das Vermögen nutzen wollen. Paradoxerweise haben sich ältere Verträge zu einer lukrativen Geldanlage entwickelt. Als die Zinsen noch viel höher waren, kam einem eine Rendite von 1,5 Prozent sehr mager vor. Heute ist das mehr, als Sie für manch festverzinsliches Sparprodukt bekommen. Zudem werden Bausparbeiträge staatlich bezuschusst, was den Ertrag noch mal steigert.

Allerdings können Sie den Vertrag nicht beliebig lange laufen lassen. Der Bundesgerichtshof hat im Februar 2017 zugunsten der Bausparkassen entschieden. Sie dürfen alte Abschlüsse kündigen, wenn sie seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind. Von diesem Recht machen viele Anbieter Gebrauch, zumal es ihnen immer schwerer fällt, die zugesagten Renditen zu erwirtschaften. Wenn Sie also bereits wissen, dass Sie das angesparte Vermögen lieber langfristig vermehren möchten, sollten Sie sich – als vierte Option – das Geld auszahlen lassen. Die Summe können Sie gut in Produkte mit besseren Renditechancen anlegen.

 


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