Die gesetzliche Pflegeversicherung wurde verbessert. Brauche ich trotzdem noch privaten Zusatzschutz?

 

Dr. Michael Buck, 44, ist seit fast elf Jahren als selbstständiger Finanzberater für HORBACH tätig. In seinem Bekanntenkreis kennt er einige Pflegefälle. Aus Erfahrung weiß der Experte, dass sich viele erst um eine ausreichende Absicherung kümmern, wenn es eigentlich schon zu spät ist

Zum Jahreswechsel ist das Zweite Pflegestärkungsgesetz, auch PSG II genannt, in Kraft getreten. Fraglos bringt es eine ganze Reihe von Verbesserungen mit sich. So werden geistige und psychische Einschränkungen neuerdings genauso bewertet wie physische Gebrechen. Es kommt nicht mehr darauf an, wie hoch der körperliche Pflegeaufwand in Stunden ist, sondern inwieweit der Pflegebedürftige Hilfe bei der Bewältigung seines Alltags benötigt. Um Antragsteller besser einstufen zu können, wurde das Raster zudem verfeinert. Statt drei Pflegestufen gibt es jetzt fünf Pflegegrade.

Aber: Wesentlich mehr Geld bekommen Betroffene nicht. Der Beitragssatz für die Pflegepflichtversicherung wurde nur geringfügig um 0,2 Prozentpunkte angehoben. Die zusätzlichen Einnahmen werden voraussichtlich überwiegend den Pflegebedürftigen zugutekommen, die bisher durchs Raster gefallen sind. Alle, die heute bereits Leistungen erhalten, werden zwar in einen höheren Pflegegrad eingestuft, allerdings bedeutet das nicht automatisch mehr Geld.

Bei der Reform ging es nicht um eine Leistungserweiterung, sondern lediglich um eine gerechtere Verteilung der eigentlich viel zu knappen Mittel. So darf zum Beispiel der Eigenanteil von Heimbewohnern künftig nicht mehr steigen, wenn ihr Pflegegrad hochgestuft wird. Das ist fair, hat aber zur Folge, dass Senioreneinrichtungen bereits bei niedrigen Pflegegraden einen höheren Selbstbehalt erheben müssen. Denn zu verschenken haben die Betreiber auch nichts.

Also wird es auch künftig eine Lücke zwischen gezahlten Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung und tatsächlichen Pflegekosten geben. Ein Bedürftiger mit Pflegegrad 2 etwa erhält monatlich 689 Euro bei ambulanter oder 770 Euro bei vollstationärer Pflege. Ein mobiler Pflegedienst kostet jedoch bei mehreren Besuchen pro Tag mehr als das Doppelte und ein Heimplatz, zum Beispiel in München, mehr als das Vierfache. Etwa die Hälfte aller Pflegeheimbewohner ist auf Sozialhilfe angewiesen.

Bereits heute wird jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens zum Pflegefall. Daher gilt mehr denn je: Wer nicht seinen Kindern zur Last fallen oder zum Sozialfall werden will, sollte rechtzeitig eine private Zusatzversicherung abschließen. Eine Pflegezusatzversicherung, die mögliche Lücken schließt, ist für 40-Jährige ab etwa 50 Euro pro Monat zu haben. 50-Jährige sollten mit einem Betrag ab 70 Euro und 60-Jährige mit mindestens 100 Euro rechnen. Nicht viel, wenn man dafür in Würde seinen Lebensabend verbringen kann.

 


Unser Kunden-Service-Center steht Ihnen gern für weitere Informationen zur Verfügung.
Rufen Sie uns an: 0800/6 64 95 11

 

ähnliche Artikel